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Interview mit Sebastian Diehl, Diehl & Brüser Handelskonzepte GmbH
21.11.2011 17:32
Sebastian Diehl ist mit seinen 29 Jahren schon ein mutiger Geschäftsmann aus dem Sauerland. Nachdem er bei dem mittelständischen Papierhersteller WEPA aus Arnsberg eine duale Ausbildung/Studium zum Betriebswirt absolviert hat, ist er gemeinsam mit seinem ebenfalls noch recht jungen Partner Benjamin Brüser (30) jetzt Geschäftsführer der Diehl & Brüser Handelskonzepte GmbH mit Sitz in Düsseldorf. In der Landeshauptstadt wagen die beiden Sauerländer ein Revival der besonderen Art. Unter dem Namen „Emmas Enkel“ haben sie eine erste Filiale in Düsseldorf eröffnet und das Tante-Emma-Konzept im Zusammenspiel mit den Möglichkeiten der modernen Kommunikation wieder aufleben lassen.
Tante Emma Läden sind jedem ein Begriff, doch sie sind weitestgehend von den großen Handelsketten verdrängt werden. Was muss man sich denn nun unter „Emmas Enkel“ vorstellen?
Zunächst mal ist es toll, dass Tante Emma jedermann ein Begriff ist. Das macht es etwas einfacher zumindest einen Teil des Konzeptes leicht zu vermitteln. Im Englischen müsste man eine viel weniger emotionale Bezeichnung nehmen: Convenience Store. Aber zurück zur Frage: Emmas Enkel sind, wie der Name schon sagt, einfach 2 Generationen weiter als die Tante Emma von früher. Dies aber ohne mit den alten Traditionen zu brechen. So gibt es weiter den netten, persönlichen Laden mit Beratung und einem Schwätzchen. Das Ganze ist aber ergänzt worden um die Möglichkeiten der modernen Kommunikation. So kann man online oder per iPad aus der „Guten Stube“ (unserer Kaffe- und Warteecke) bestellen und dann die Ware fertig gepackt abholen oder liefern lassen. Man kann aber wie gesagt auch im Laden einkaufen und mitnehmen oder sogar auch dann das Ganze noch liefern lassen.
Kurze Zwischenfrage zum Sortiment, bevor wir später nochmal auf das Sauerland zu sprechen kommen: haben es bei Ihnen auch Sauerländer Produkte in die Regale geschafft?
Klar gibt es auch Sauerländer Produkte: Ohne unsere tollen Sauerländer Biere kann man glaube ich kein Geschäft betreiben - auch nicht in der Altbierhauptstadt Düsseldorf. Dazu kommen dann noch sehr ausgesuchte weitere Artikel wie zum Beispiel der Kuchen im Glas aus Menden, der sehr gern gekauft wird, oder fair gehandelter Kaffee von Langen.
In Düsseldorf haben sie mit diesem Konzept erst vor kurzer Zeit die erste Filiale von „Emmas Enkel“ eröffnet. Wie ist die erste Kundenresonanz?
Die Resonanz ist fantastisch. Die Kunden sind begeistert von dem Laden und insbesondere dessen Gestaltung. Die Kunden älteren Semesters reagieren fast alle mit einem herzlichen „Endlich gibt’s sowas wieder!“, die Jüngeren mit einem „Ach wie schön, endlich mal was anderes!“. Inzwischen gibt es schon Stammkunden und Viele, die auf Empfehlung kommen. Ähnlich gutes Feedback haben wir für unseren Onlineshop erfahren, der sich optisch perfekt mit dem Ladenlokal ergänzt. Und schließlich ist da noch die „Gute Stube“ als Schnittstelle zwischen beiden Welten, die auch genau so genutzt wird: zum Frühstücken, Bestellen, Warten oder einfach zum gemütlichen Kaffeetrinken.
Also liegt der Fokus nicht nur auf der Kundenpräsenz vor Ort, sondern auch auf dem Online-Versand. Sind denn schon erste Bestellungen via Internet eingegangen?
Ja klar, es gab schon erste Bestellungen. Sowohl aus dem Onlineshop als auch aus der „Guten Stube“ von den iPads. Der Lebensmittellieferservice und die Bestellung über das Internet stecken in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland ja noch in den Kinderschuhen. Hier sehen wir großes Entwicklungspotential. Ein Ansatz, wie wir ihn fahren, nämlich gleich online und offline die Welt als Ganzes zu sehen, ist vor diesem Hintergrund auch einmalig bisher.
Einige große Handelsketten haben schon mal Versuche gewagt, in das Online-Geschäft im Lebensmittelbereich einzusteigen – dann aber wieder abgebrochen. Warum sollte Emmas Enkel hier erfolgreicher sein?
Einige Drogerien sind in dem Geschäft schon recht erfolgreich unterwegs. Im Lebensmittelhandel tut sich auch Einiges. Wichtig ist meines Erachtens, dass man den Frische-Bereich und das Thema der verderblichen Waren ordentlich angeht. Dies ist schwierig, wenn man deutschlandweit aus Zentrallägern versendet. Wir arbeiten regional aus der Filiale nur für eine Stadt, was das viel einfacher macht. Hinzu kommt, dass man Vertrauen zu seinem Lebensmittelhändler haben sollte und das hat man eher, wenn dieser um die Ecke ist und nicht irgendwo in Deutschland. Reine Onliner werden es deshalb auch schwer haben. Hinzu kommt das ganze Thema IT. Man baut nicht „mal eben“ seinen Handelskonzern zu einem Online- und stationären Händler um. Alle Leute, die schon mal mit einem großen ERP System gearbeitet haben, wissen wir schwer es ist, dort auch nur kleine Änderungen vorzunehmen. Für einen Online-Shop ist das noch komplexer. Wir haben nun von Anfang eine Infrastruktur mit der wir versuchen beide Welten zu verbinden. Das können wir dann peu á peu weiterentwickeln und optimieren.
Düsseldorf soll also zunächst erst einmal der Grundstein sein? Ist die Expansion – vielleicht auch ins Sauerland - bereits anvisiert?
Zur Zeit haben wir mit der ersten Filiale gut zu tun. Aber man soll ja niemals nie sagen. Als Sauerländer denke ich natürlich ständig an das Sauerland. Eine Liste mit geplanten Standorten gibt es nicht, aber wenn, stünde das Sauerland darauf.
Insgesamt hört sich „Emmas Enkel“ nach einem innovativen wenn auch mutigen Konzept an, das sicher aufgehen kann. Wie ist die Idee dazu eigentlich entstanden?
Das ist bestimmt schon 12 Jahre her. Damals liefen mein enger Freund und inzwischen auch Geschäftspartner Benjamin und ich von einer Party nach Hause und regten uns darüber auf, dass es inzwischen nur noch Discounter in unserer Heimatstadt Neheim gab. Wir haben schon damals gesagt: „Irgendwann kommen die Tante Emma Läden zurück.“ Dann vergingen erst einmal ein paar Jahre in denen wir BWL und Architektur studiert haben, diese Idee aber nie ganz aus den Augen verloren haben. Und letztes Jahr, war es dann soweit: Wir haben mal wieder über dieses Konzept gesprochen (im Sauerland, bei einheimischen Getränken versteht sich) und kamen zu dem Schluss: Jetzt oder nie. Das Internet ist dank der Smartphones in der Hosentaschen angekommen, der anonyme und stressige deutsche Lebensmittelhandel nervt subjektiv jeden Zweiten und ein Versorgungskonzept für die ältere Generation fehlt ohnehin völlig. Und so nahm das Ganze seinen Lauf. Zum Start bot sich dann aber eher eine Metropole an um das Ganze zu entwickeln und aufzubauen.
Trotzdem kennen Sie sich in der Sauerländer Wirtschaft bestens aus. Nicht nur Ausbildung und Studium haben Sie bei einem großen Mittelständler hier absolviert, sondern auch in jungen Jahren schon weitreichende Auslandserfahrung sammeln können.
Ja, ich hatte da großes Glück. Mein Studium habe ich an der VWA Arnsberg absolviert und parallel bei der WEPA in Arnsberg-Müschede die Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. Da habe ich schon viel gelernt, und bereits erste Kontakte ins Ausland gehabt, zunächst noch nach Polen durch die Expansion Ost, in deren Rahmen ich auch meine Diplomarbeit geschrieben habe. Nach dem Studium gab mir die WEPA dann die Möglichkeit nach Spanien zu gehen, in ein neues Büro in Barcelona. Von dort habe ich dann die große Expansion der WEPA nicht nur mitgekriegt, sondern durfte sogar aktiv daran mit arbeiten. Ich habe der WEPA, den Inhabern und einigen ehemaligen Kollegen dort viel zu verdanken muss ich sagen.
Das hört sich nach einem attraktiven Arbeitgeber an. Bietet der Mittelstand im Sauerland ihrer Ansicht nach Chancen für junge Leute im Hinblick auf die persönliche und berufliche Entwicklung?
Auf jeden Fall. Es gibt hier tolle Unternehmen und dadurch auch tolle Möglichkeiten. Viele Weltmarktführer sitzen ja schließlich im Sauerland. Mein VWL-Prof an der VWA hat mal gesagt: „Das Sauerland ist der Speckmantel des Ruhrgebietes: Hier gibt es unglaublich viele kerngesunde Mittelständler“ und damit liegt er sehr nah an der Wahrheit. Ein Erfolgsfaktor für Menschen und Unternehmen liegt glaub ich in der Weltoffenheit, die man den Sauerländern auf den ersten Blick ja gar nicht so ansieht. Menschen und Unternehmen agieren längst auf dem globalen Markt, sei es zum Studieren, zum Arbeiten oder um dort selbst Geschäfte zu betreiben. Davon profitiert dann mittelfristig auch die Heimat. Und Gründe zurück zu kommen (zumindest für die Menschen) gibt es dann wahrlich genug.
Warum unterstützen Sie HomebaseSauerland?
Ich fühle mich wohl im Sauerland, bin oft hier und habe einen großen Teil meines Lebens und auch beruflichen Lebens hier verbracht. Außerdem ist meine Familie hier fest verwurzelt und viele meiner engsten Freunde leben hier.
Vielen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg!
Weitere Infos
Wissenwertes und direkte Shoppingmöglichkeiten findet man auf der Homepage von Emmas Enkel:
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EMMAS ENKEL
Berliner Allee 56
40212 Düsseldorf


